der MGV "Frohsinn" Mörbisch blickt auf 155 Jahre Tradition zurück
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1871 bis 1981
Der Männergesangsverein "Frohsinn" Mörbisch blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück.
Gegründet wurde er im Herbst 1871 vom jungen Hilfslehrer Karl Macher - in einer Zeit, in der Gesangsvereine im deutschsprachigen Westungarn nicht nur der Pflege des Liedgutes, sondern auch dem Erhalt der deutschen Sprache dienten. Zugleich waren sie ein wichtiger Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens im Ort.
Schon früh war der Verein eng mit dem kulturellen Leben Ödenburgs verbunden. Davon zeugen nicht nur musikalische Einflüsse, sondern auch die bis heute erhaltene Vereinsfahne aus dem Jahr 1884. Trotz fehlender Unterlagen lässt sich nachvollziehen, dass der Chor über viele Jahrzehnte von Lehrern, Kantoren und Pfarrern geprägt wurde und selbst schwere Zeiten überstand - vom Ersten Weltkrieg über die Zwischenkriegszeit bis zur Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs.
Ein bedeutender Meilenstein war das 50-jährige Bestandsfest im Jahr 1921, als 24 Gesangsvereine in Mörbisch begrüßt werden konnten. Nach den Wirren des Krieges wurde die Vereinstätigkeit ab 1948 wieder offiziell aufgenommen. Unter Chorleiter Michael Lang entwickelte sich der Chor weiter und feierte 1951 bereits das 80-jährige Jubiläum.
Einen besonderen Aufschwung brachte ab 1957 die Mitwirkung bei den Seespielen Mörbisch.
Die Sänger des Vereins standen viele Jahre lang auf der Seebühne und leisteten mit großem Einsatz einen wichtigen Beitrag zum Aufbau dieses kulturellen Aushängeschilds der Region. Proben bis tief in die Nacht und ein ganzes Dorf im Operettenfieber prägten diese Zeit.
Auch organisatorisch begann eine neue Ära: 1961 wurde mit Johann Lang erstmals ein Obmann aus den Reihen der Sänger gewählt. Zum 100-jährigen Jubiläum 1971 empfing der Verein 25 Gastchöre mit rund 700 Sängern. Ein bleibendes Zeichen dieser Feier ist die Sängerlyra aus St. Margarethener Kalksandstein neben der evangelischen Kirche.
In den 1970er- und 1980er-Jahren setzte der Chor verstärkt auf Gemeinschaftskonzerte und Sängerreisen im In- und Ausland. 1981 wurde das 110-jährige Bestandsjubiläum feierlich begangen - mit 12 Gastchören, zahlreichen Ehrengästen und einer neuen Tracht, dem blauen Burgenländeranzug mit roter Weste, als sichtbares Zeichen des Zusammenhalts.
Die Geschichte des MGV "Frohsinn" Mörbisch ist damit weit mehr als eine Vereinschronik. Sie erzählt von kultureller Beständigkeit, von Gemeinschaftssinn und von der Kraft des Gesangs, Generationen zu verbinden.
1982 bis 2000
1985 setzt der Männergesangsverein "Frohsinn" Mörbisch ein sichtbares Zeichen der Tradition: Eine neue Fahne wird angeschafft, die alte sorgfältig restauriert und im Vereinslokal in Ehren aufbewahrt. Die neue Fahne, nach dem historischen Vorbild gefertigt, wird bei einem großen Fest geweiht.
In diesen Jahren wächst der Chor auf mehr als 50 Sänger an und entwickelt sich zu einem starken, harmonischen Klangkörper. Dazu trägt auch die Öffnung des Vereins über konfessionelle und örtliche Grenzen hinweg bei. Das gemeinsame Singen in beiden Kirchen wird selbstverständlich, kirchliche Feste werden musikalisch mitgestaltet.
Zur Orgelweihe in der evangelischen Kirche entsteht 1986 sogar ein eigener vierstimmiger Männerchorsatz zum "Vater unser", komponiert von Chorleiter Reinwald Lackner.
Ebenfalls 1986 entsteht mit der Schallplatte und Musikkassette In einem Dorfe ein klingendes Dokument für die Nachwelt. Aufgenommen in der Volksschule Mörbisch, reicht der musikalische Bogen vom burgenländischen Volkslied bis zum Weinlied - ein Stück gelebter Ortskultur auf Tonträger gebannt.
Ab 1987 zeigt sich der Verein auch verstärkt im gesellschaftlichen und karitativen Leben der Gemeinde. Das gemeinsame Adventkonzert der musizierenden Vereine wird zu einer festen Einrichtung, deren Erlös wohltätigen Zwecken zugutekommt. Auch die musikalische Gestaltung der Messfeier am 6. Jänner in der katholischen Kirche wird zur liebgewonnenen Tradition. Gleichzeitig erhält der Chor weiteren Zuwachs, unter anderem auch aus Rust.
Ein besonderer Name dieser Zeit ist Michael Andreas Lang. Das Mörbischer Ortskind, Dichter, Musiker und Komponist, bleibt seiner Heimat zeitlebens eng verbunden. Zwei seiner Lieder widmet er dem Verein - darunter Die Trauben so silbern, das später sogar im ORF in der Sendung Die schönsten Chöre zu hören ist. Für diese enge Verbundenheit wird er zum Ehrenmitglied ernannt.
Mit den Jubiläen 1991 und 1996 erlebt der Chor weitere Höhepunkte. Gefeiert wird im Seegelände, mit großem Festzelt und der Seebühne als beeindruckender Kulisse. Zum 125-jährigen Bestehen kommen 28 Gastchöre, insgesamt stehen 35 Chöre auf der Bühne. Eine vierstündige Liedertafel in der neu errichteten Arena der Seefestspiele Mörbisch begeistert Publikum und Sänger gleichermaßen - unterstützt von moderner Tontechnik und eingebettet in eine eindrucksvolle Festatmosphäre.
Auch über die Landesgrenzen hinaus bleibt der Chor ein musikalischer Botschafter Mörbischs. Eine Einladung des Südtiroler Landeshauptmannes Luis Durnwalder führt die Sänger nach Südtirol, wo neben dem Gesang auch die Weinkultur in bester Erinnerung bleibt.
Zum Ende dieser Phase kommt es auch zu personellen Veränderungen: Nach dem Ausscheiden von Reinwald Lackner übernimmt Johann Schrauf die Chorleitung zusätzlich zu seiner Funktion als Obmann.
Erst 1999 wird diese Doppelfunktion beendet, als mit Josef Gress ein neuer Obmann gewählt wird.
So zeigt sich auch dieser Abschnitt der Vereinsgeschichte als lebendiges Bild aus Tradition, Gemeinschaft und kultureller Beständigkeit - getragen von Musik, Zusammenhalt und echter Verbundenheit mit Mörbisch.
2001 bis heute
Ab 2001 schlägt der Männergesangsverein "Frohsinn" Mörbisch ein weiteres eindrucksvolles Kapitel seiner Vereinsgeschichte auf. Zum 130-jährigen Bestandsjubiläum werden 28 Gastchöre aus Österreich, Ungarn und Deutschland begrüßt. Drei Tage lang steht Mörbisch ganz im Zeichen des Chorgesangs - diesmal auf dem Festgelände neben der Feuerwehr in der Raiffeisenstraße. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur das Feiern und die Pflege alter Freundschaften, sondern auch das große Anliegen, neue Sänger zu gewinnen und besonders junge Menschen für das gemeinsame Singen zu begeistern.
Auch in den folgenden Jahren macht der Chor weit über die Ortsgrenzen hinaus auf sich aufmerksam. 2003 wird er gleich von mehreren Fernsehanstalten eingeladen: Für die ARD beziehungsweise den Saarländischen Rundfunk unterstützt er die Sendung Kein schöner Land mit Günther Wewel, und auch im ORF ist der Chor bei Willkommen Österreich zu hören. Im selben Jahr entsteht mit Horch in di eini ... es ist Weihnachtszeit eine besondere Weihnachts-CD - bewusst abseits der bekannten Radio-Klassiker. Stattdessen widmet sich der Chor österreichischen Volks-Weihnachtsliedern und spannt musikalisch einen Bogen durch alle Regionen des Landes.
2004 beteiligt sich der Verein an den Feierlichkeiten zum 750-jährigen Bestehen der Gemeinde Mörbisch, 2006 folgt dann das 135-jährige Bestandsjubiläum. Wieder wird drei Tage lang gefeiert, diesmal im Professor-Herbert-Alsen-Park, mit der evangelischen Kirche als Konzertsaal. Der Chor bleibt damit nicht nur ein Träger musikalischer Tradition, sondern auch ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Gemeinde.
Ein besonderer Höhepunkt gelingt 2010: Der Wiener Männergesangsverein lädt zum Internationalen Männerchor-Festival nach Wien und Eisenstadt, und der MGV Mörbisch ist mit dabei. Gesungen wird an prominenten Orten - im Wiener Konzerthaus, im Haydnsaal von Schloss Esterhazy und schließlich bei einer feierlichen Mittagsmesse im Stephansdom. Dort erklingt gemeinsam mit insgesamt 380 Sängern Franz Schuberts Deutsche Messe - ein beeindruckendes Erlebnis für Chor und Publikum gleichermaßen.
2011 steht ganz im Zeichen des 140-jährigen Bestandsjubiläums. Von Anfang Juni an feiert der Chor mehrere Tage lang mit 40 Chören aus dem In- und Ausland, darunter auch der Wiener Männergesangsverein. Festakte, Konzerte in der evangelischen Kirche und das traditionelle Stifterl-Singen auf der Hauptstraße machen dieses Jubiläum zu einem großen Gemeinschaftsfest für den ganzen Ort. Zugleich markiert das Jahr einen personellen Wendepunkt: Der langjährige Chorleiter Johann Schrauf wird feierlich verabschiedet und später zum Ehrenchorleiter ernannt.
Mit Marton Roth übernimmt ab Herbst 2011 ein Musikpädagoge aus Ödenburg die musikalische Leitung. 2012 wird ein neuer Vorstand gewählt, und der Verein stellt sich organisatorisch neu auf. In den folgenden Jahren erlebt der Chor Höhen und Verluste zugleich: Verdiente Sänger ziehen sich zurück, langjährige Weggefährten sterben, gleichzeitig sorgen neue Mitglieder immer wieder für frischen Auftrieb.
2015 und 2016 zeigt sich der Chor erneut als lebendige kulturelle Kraft in Mörbisch. Bei Sommerkonzerten sorgt unter anderem Kammersängerin Dagmar Schellenberger, Intendantin der Seefestspiele, für glanzvolle musikalische Momente. Das 145-jährige Jubiläum 2016 fällt zwar kleiner aus als frühere Feste, bleibt aber dennoch ein starkes Zeichen des Zusammenhalts - auch über die Grenze hinweg, etwa in den Kontakten zum Chor aus Kroisbach.
2017 übernimmt Albert Schindler schließlich ein Mörbischer aus den eigenen Reihen die Leitung des Chores. Diese Entscheidung bringt neuen Schwung - ehemalige Sänger kehren zurück, neue Stimmen kommen dazu, und der Chor gewinnt wieder an Stärke. Im selben Jahr wird der Männergesangsverein auch auf die Bühne der Seefestspiele geholt, als das 60-jährige Bestehen der Seespiele gefeiert wird.
Dort erinnert man an jene Jahre, in denen die Mörbischer Sänger von 1957 bis 1963 selbst aktiv auf der Seebühne mitgewirkt haben - und erntet dafür großen Applaus.
2018 präsentiert sich der Chor in spürbarer Aufbruchsstimmung. Neue Sänger stoßen dazu, alte Traditionen wie das Maibaum-Aufstellen werden wiederbelebt, erfolgreiche Konzerte und kirchliche Auftritte prägen das Jahr. Auch der Sängerausflug nach Seeboden mit Bergandacht auf dem Goldeck und Konzert in der Herz-Jesu-Kirche bleibt in besonderer Erinnerung. Dazu kommen das Weinlesefest, das Oktoberfest und weitere Auftritte, die zeigen: Der Chor ist tief im Dorfleben verankert und aus dem kulturellen Jahreslauf Mörbischs nicht wegzudenken.
2019 setzt sich diese rege Tätigkeit fort - mit kirchlichen Auftritten, Konzerten, kulturellen Veranstaltungen und einer Sängerreise nach Südmähren auf den Spuren der Fürsten von Liechtenstein. Besonders bemerkenswert ist dabei die Mitwirkung bei einer Buchpräsentation zum Gedenken an die DDR-Flüchtlinge des Sommers 1989 in Mörbisch - ein Zeichen dafür, dass der Chor nicht nur musikalisch, sondern auch historisch und gesellschaftlich präsent ist.
Dann aber bringt das Jahr 2020 einen tiefen Einschnitt: Die Corona-Pandemie legt das Vereinsleben weitgehend lahm. Nach der letzten Probe im März kommt der Probenbetrieb zum Erliegen, Veranstaltungen werden abgesagt, und lange Zeit bleibt ungewiss, wann das Singen wieder möglich sein wird.
2026 trat Obmann Josef Gress von seinem Amt, nach 27 Jahren äußersten Einsatzes zurück.
Mit Mag. Rene Kummer wurde einer der jüngeren Chormitglieder zum Obmann gewählt.
Er möchte den traditionsreichen Bestand des MGV "Frohsinn" ehren und hat sich zum wichtigsten Ziel gesetzt hat, junge Mörbischer für den Gesang im MGV "Frohsinn" zu begeistern und so das Fundament für ein sicheres Bestehen des Vereins in Zukunft zu sichern.